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Die Herrschaft der Haare
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Die Herrschaft der Haare schenkt der Frisierkunst die
Aufmerksamkeit, die sie sich längst verdient hat. Friseure sind
Modernitätsgewinner: Wo Weihrauch war, soll Haarspray werden!
Die Modelle des
Films sind Schüler des Berufskollegs, die hier von ihrer
schönsten Seite gezeigt werden: als sorgfältige
Haarkünstler ihrer selbst. In verschiedenen Sälen einer
virtuellen Portraitgalerie zeigt sich der physiognomische Abdruck
unserer Zeit, die oberflächlich ist, weil sie oberflächlich
sein will: Das Gel ersetzt das Gen.
Doch
auch die verblühende Pracht der Lehrerfrisuren wird hier nicht
tabuiert! Der Bildungsauftrag ist längst an die Coiffeure
weitergereicht worden. Nur wissen es noch nicht alle...
2007 begonnen und 2011 zum Abschluss gebracht, zeigt sich der Film Die Herrschaft der Haare
jetzt von seiner schönsten Seite: mit lebendigen Farben, frischer
Musik und pointiertem Kommentar. Ein wahrer "Directors' Cut" eben.
Textauszug
"Der Weg zum
Ich führt über die Inventur der Frisur. Bist du Mensch, so
wend dich zum Friseur. Er gibt dir ein Gesicht und du singst sein
Gedicht. Friseure sind Ingenieure. Jetzt ist der Mensch erstmals ganz,
was sein Äußeres aus ihm macht. Homo est pi mal minipli."
Die Herrschaft der Haare. Wie der Mensch zu seinem Gesicht kommt.
Die
Moderne bekämpft die Priester und hofiert die
Friseure.
Wo vorher Weihrauch war, ist nun Haarspray.
Der Mensch erwacht und seine Haare stehen zu Berge.
Der Mensch ist die Summe
seiner Lockenwickler. Die Formel
der physischen Existenz lautet lapidar: homo est X oder Y. Die ungleich
radikalere und folgenreichere Formel der gesellschaftlichen Existenz
aber
lautet: homo est pi mal minipli.
Die französische
Revolution machte den alten Menschen um
einen Kopf kürzer und den kommenden um eine Frisur reicher. In
der Moderne ist
der Mensch erstmals ganz, was sein Äußeres aus ihm
macht, und erstmals glaubt
er zu sein, was er hat. Was er aber hat, das ist sein Spiegelbild. (...)
Auszug
aus dem Essay: "Die Herrschaft der Haare. Wie der Mensch zu seinem Gesicht
kommt." von Hanns-Marcus Müller.
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